Donnerstag, 16. November 2017

ABRÜSTEN - JETZT!


Wagenknecht und Gabriel: Abrüsten!


Der Aufruf zur Abrüstung nimmt Fahrt auf

Autor: U. Gellermann
Datum: 16. November 2017

Als habe man nur auf den sonderbaren Rüstungs-Appell des BND-Präsidenten gewartet: Die Zahl der Unterschriften unter den Aufruf der Friedensbewegung überschreitet bald die 10.000er Marke! Und wer ist auch dabei? Sahra Wagenknecht und Sigmar Gabriel. Als habe man die Bundestagswahlen abwarten wollen, um ein rot-rotes Projekt anzuschieben. Wenn man sich nicht im Parlament trifft, dann eben in der außerparlamentarischen Opposition. Auch Antje Vollmer von den GRÜNEN ist bei den Unterschriften zu treffen. Aber ob das nun Cem Özdemir recht ist? Soll dem Frieden doch egal sein.

Die mutige Sevim Dagdelen, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, hat ihre Unterschrift geleistet. Und die Rede geht, es gäbe bald ein Video von ihr. Weitere Videos für den Aufruf sollen folgen. Und das wäre auch dringend an der Zeit. Denn das Marketing, die professionelle Verbreitung ist noch eine Schwachstelle. Noch ist der Aufruf nicht auf den „Nachdenkseiten“ und anderen klugen Sites im Netz platziert. Aber ganz sicher ist Albrecht Müller, der Chef der Nachdenkseiten, für das Erstarken der Friedensbewegung.

Nach den langen Querelen rund um die „Querfront“ - ein Begriff wie gemacht für die Geheimdienste und ihre Flüsterpropaganda - kommt die Friedensbewegung wieder in Gang. Wurde aber auch Zeit. Da muss sich doch glatt Berlins Kultursenator von der Linkspartei, Klaus Lederer, mit diesem ideologischen Wechselbalg aus seinem Dienstwagen zurückmelden: Er verbot jüngst, über die „Querfront“ räsonierend, eine Veranstaltung mit Ken Jebsen im Kino Babylon. Das Kino bekommt Zuwendungen aus dem Senats-Haushalt, da knickte man lieber ein. Laut klatschte die „taz“ diesem Akt der Zensur Beifall. Das ist diese Zeitung, die immer häufiger bei den Anhängern von Winfried Kretschmann und Angela Merkel Beifall findet. Da findet zusammen was zusammengehört.

So hatte es sich der BND-Präsident Bruno Kahl das mit seiner jüngsten Drohung nicht gedacht: Mehr Geld wollte er für seine Freunde in der Rüstungsindustrie locker machen. An einen Weckruf für die Friedensbewegung hatte er eigentlich nicht gedacht.

Mitmachen, unterschreiben:
https://abruesten.jetzt/



Mittwoch, 15. November 2017

Zensur von LINKS

https://linkezeitung.de/2017/11/15/wem-gehoert-die-demokratie/



Wem gehört die Demokratie?



VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 15. NOVEMBER 2017


von Christiane Borowy – http://www.rubikon.news

Die Verleihung des Kölner Karlspreises für engagierte Literatur und Publizistik im Kino Babylon wurde kurzfristig durch den Berliner Kultursenat verhindert.
Wenn Politiker Vermieter von Kulturstätten erpressen und unbequeme Veranstaltungen absagen lassen, ist es Zeit, der Fassadendemokratie die Maske vom Gesicht zu reißen.

Die Verleihung des Kölner Karlspreises für engagierte Literatur und Publizistik der Neuen Rheinischen Zeitung an den Journalisten Ken Jebsen hätte am 14. Dezember 2017 im Berliner Kino Babylon stattfinden sollen. Sie ist nur vier Wochen vorher, am 14. November 2017, durch den Berliner Kultursenat verhindert worden.

Das Kino Babylon ist Berlins ältestes und einziges kommunales Kino. Mit jährlichen 400.000 Euro an „zweckgebundenen Mitteln“ wird die Kulturstätte pro Jahr öffentlich gefördert. Genau das wurde ihr scheinbar zum Verhängnis. Offiziell darf der Kultursenat zwar nicht bestimmen, an wen das Kino Babylon seine Räume vermietet. Wenn es durch die Vordertür nicht geht, nimmt man halt die Hintertür. Wie sonst ist es zu erklären, dass laut Presseberichten der Kultur-Staatssekretär Torsten Wöhlert mit dem Betreiber des Kino Babylon ein Telefonat geführt hat und die Veranstaltung kurz danach abgesagt wurde?

„Wir kämpfen für kulturelle (Frei-)Räume und Vielfalt“, lügt Kultursenator Klaus Lederer auf seiner Internetseite. Ja, auch als Friedensforscherin muss man manchmal die Dinge beim Namen nennen. Lederer lügt. Das fliegt bei einem Facebook-Beitrag auf, den Lederer am Montagabend auf seinem Profil postet, denn hier zeigt er deutlich, dass er nicht für kulturelle Freiräume und Vielfalt kämpft, sondern dagegen. Der nicht zitierwürdige und nur das Alphabet psychologischer Kriegsführung runterleiernde Facebook-Beitrag endet schließlich mit einem direkten Appell an den Betreiber des Kinos, er möge die Veranstaltung absagen.

Mich überkommt ein ganz großer Ekel vor dieser Verlogenheit. Ekel ist eine sehr gesunde Empfindung, denn sie schützt vor Vergiftung, in diesem Fall vor mentaler Vergiftung (Mausfeld).

Wenn ein Politiker der Kultur so spricht und (ab-)urteilt, wenn Staatssekretäre bei Vermietern von Kulturstätten anrufen und Druck ausüben, stellt sich doch die Frage: Was wird denn hier eigentlich kultiviert? Wie nennt man das? Im Duden ist es so beschrieben: „von zuständiger, besonders staatlicher Stelle vorgenommene Kontrolle, Überprüfung von Briefen, Druckwerken, Filmen o. Ä., besonders auf politische, gesetzliche, sittliche oder religiöse Konformität“. „Oder Ähnliches“ können auch Veranstaltungen sein, die man als nicht konform einstuft. Ja, ganz richtig vermutet. Das nennt man Zensur!

Und bei Zensur hört doch der Spaß auf!

Ich weiß nicht, wie es Ihnen als Leser geht, aber ich möchte nicht in einer Welt leben, in der für mich entschieden wird, was ich zu denken habe. Ich möchte auch nicht abgewertet werden, nur weil ich es wage, Fragen zu stellen. Ich möchte mir meine eigene Meinung bilden und dazu brauche ich auch (Meinungs-)Vielfalt.

Denn: Was kommt als Nächstes? Überwachung? Ach nee, gibt´s schon. Berufsverbot? Nee, das gibt´s auch schon. Zwar alles schön „smart“, wie der Soziologe Harald Welzer so treffend in „Die smarte Diktatur“ beschreibt. Was kommt nach Zensur, Überwachung und Berufsverbot? Krieg? Das kommt nicht als Nächstes. Das ist auch schon da. Das bekommen wir nur nicht so mit, weil Krieg an der Heimatfront auch so smart daherkommt. Wie bringt man Krieg „an den Mann“? Indem man Lügen verbreitet und Menschen voneinander trennt, indem man mit dem Finger auf die anderen zeigt. Die anderen, also diejenigen, die Fragen stellen, sollen die Bösen sein. Das lenkt ab. Und wie erzählt man die Geschichte vom „Bösen Mann“? Indem man alles aneinanderreiht, was in einer Gesellschaft nicht gut angesehen ist und schlimme Erinnerungen hervorruft. Der Kieler Psychologie-Professor Mausfeld hat das sehr gut erforscht und „logische Verklammerung“ genannt, übrigens in einem Vortrag und Artikel, der „Die Angst der Machteliten vor dem Volk“ heißt.

Wovor hat also der Berliner Kultursenator Lederer so furchtbare Angst, wenn Ken Jebsen einen Medienpreis bekommt? Vor dem Volk, das merken könnte, dass er lügt und eine Politik der Spaltung und Trennung betreibt, obwohl er auf seiner Website behauptet: „Kultur verbindet und spaltet nicht.“ und das ihn deshalb abwählen könnte, weil er die Frage: „Dient Deine Politik den Menschen und dem Frieden?“ mit Nein beantworten müsste. Davor hat Lederer Angst: Seine eigene Macht zu verlieren. „Wem gehört die Stadt?“ glänzt als Frage direkt unter seinem Profilbild auf seiner Homepage. L’état c’est moi (Der Staat bin ich). Da knüpft er an längst vergangene Herrschertradition an.

Das könnte das Volk ebenfalls tun und sprichwörtlich für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf die Barrikaden gehen. Das wäre eine Veränderungsenergie (Mausfeld), die jetzt -ebenfalls an Traditionen anknüpfend- aufgebracht werden müsste, um die Demokratie wieder in die Hände derer zu bringen, denen sie gehört: Dem Volk.

Was also kann man im konkreten Fall tun, außer sich über Zusammenhänge und Hintergründe zu informieren oder in Resignation zu verfallen? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wer keinen Knüppel in die Hand nehmen möchte, wovon ich auch ausdrücklich abrate, kann stattdessen Geld in die Hand nehmen. Das Kino Babylon braucht im Jahr 400.000 Euro. Eine Möglichkeit – von vielen – wäre, einfach eine Mail an den Betreiber Grossmann zu schreiben und nach einem Konto zu fragen, auf das man Spenden überweisen kann. Die Mail-Adresse steht auf der Website des Kino Babylon. Ich habe diese Mail schon geschrieben. Es ist wichtig, dass das Volk sichtbar wird. Lederer will uns mittels Geld die Demokratie wegnehmen. Holen wir sie uns zurück!

Christiane Borowy
Christiane Borowy, Jahrgang 1968, ist Soziologin, Sozialpsychologin, Körperpsychotherapeutin und Sängerin. Sie ist „schon immer“ Teil der Friedensbewegung gewesen und seit Ende 2015 Leiterin des „borowita — Institut für Sozial-Kulturelle Arbeit“. Mit ihren Seminaren zur persönlichen und politischen Bildung, beispielsweise mit „Mit Achtsamkeit die Friedensbewegung stärken“, setzt sie ihre Vision harmonischer Gemeinschaftsbildung um.

https://www.rubikon.news/artikel/wem-gehort-die-demokratie


Mein Kommentar in der Rationalgalerie am 16.11.2017:

Herzlichen Dank für diesen Beitrag. Nun ist es wieder soweit: Alle jene, die Gesellschaftskritik üben an der Politik der BRD und den bürgerlichen Medien, an Waffenlieferungen nach Israel, an Krieg und verstärkter Aufrüstung werden nunmehr als Gefährder, als Querulanten, als Anhänger der Verschwörungstheoretiker diffamiert, vorverurteilt, an den Pranger gestellt. Und wenn dabei noch regimetreue Medien in das gleiche Horn blasen, wie zum Beispiel auch die taz zur schleimigen Befürwortung der Zensur, im Babylon den Kölner Karlspreis an Ken Jebsen zu verhindern, die Leser verdummend und täuschend, dann ist es bis zu einem totalitären Staat nur noch ein kleiner Schritt. Ich als einstiger Militärjournalist in der DDR und seit Jahren Blogger und Buchrezensent vor allem für die Neue Rheinische Zeitung bin jedenfalls entsetzt über die Unverfrorenheit eines angeblich LINKEN, die genannte Festveranstaltung am 14. Dezember im Babylon zu unterbinden. Der Herr Klaus Lederer unterstützt mit seinem verbalen Angriff auf „Die Neue Rheinische Zeitung“, so auch auf die Publizistin Evelyn Hecht-Galinski, jene, die die aggressive Politik Israels gegenüber dem palästinensischen Volk befürworten und mit Waffenlieferungen durch die BRD an Israel unterstützen. Lesen Sie meine Buchrezension „Die „Fackel“ des HERAKLES. Aber wer tief im Sattel der Reaktion sitzt, wird sich doch nicht die Hände schmutzig machen, nicht wahr... Charakter haben im Politischen sieht anders aus, Herr Lederer.

Dienstag, 14. November 2017

Möge keiner sagen... Buchtipp

Fariss Wogatzki über Palästina: "Möge keiner sagen er hätte es nicht gewusst!"


Die "Fackel" des HERAKLES


Buchtipp von Harry Popow

Herbst 2017: Das Maß des Erträglichen ist längst überschritten: Zum wiederholten Male lieferte der deutsche Imperialismus Waffen an den israelischen Staat, den Staat, der im Namen des Zionismus dem palästinischen Volk jedes Existenzrecht abspricht und dabei ist, dieses Volk von der Landkarte auszulöschen. Jüngst drei Dolphin-U-Boote, die sich mit Nuklearwaffen(!) bestücken lassen, sowie mehrerer Kampfboote. Und die Waffenlobby reibt sich die Hände. Es ist also Zeit, „den Problemen scharf ins Gesicht“ zu sehen und den Knoten nicht nur zu kennen, sondern ihn auch zu lösen, wie Aristoteles riet.

„Wer einer Sache recht auf den Grund kommen will, für den ist das erste Erfordernis dies, dass er den Problemen scharf ins Gesicht sehe. Denn die nachher zu erlangende Einsicht hängt an der Lösung der vorher ins Auge gefassten Probleme; wer den Knoten nicht kennt, der kann ihn auch nicht lösen.“ (Aristoteles, griechischer Philosoph, Schüler Platons, Lehrer Alexanders des Großen von Makedonien, 384 bis 322 vor unserer Zeitrechnung)

Und wieder einmal ist HERAKLES, einer der tapfersten und der gewaltigste Held der griechischen Sage, genötigt, auf die neunköpfige Hydra, eine Tochter der Schlange Echidna, vernichtend einzuschlagen. Dabei hatte HERAKLES diesem Ungeheuer nach 1945 im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess tüchtig die Leviten gelesen. Was damals nach endgültiger Zerschlagung aussah, erhob sich bald wieder im Westen Deutschlands, erholte sich erst recht nach der Vereinnahmung der DDR 1989. Und nun greift es unter dem Diktat der USA und der NATO überall in der Welt wieder an, liefert Waffen an den vermeintlichen Judenstaat. So lenkt das mehrköpfige Ungeheuer von der eigenen Kriegsverbrecherschuld ab und gibt sich als verantwortlich für den Weltfrieden aus.

Fariss Wogatzki, nennen wir ihn zurecht HERAKLES, ist, so erfährt man es in einem Interview mit ihm, ein in der DDR aufgewachsener sehr politisch wacher Autor. Er (geb. 1971) ist Nachkomme eines arabischen Vaters, der in den 1960ern in die DDR gezogen ist, und einer deutschen Mutter. Sein Onkel Benito Wogatzki (Halbbruder des Vaters des Autoren), war ein berühmter Funk- und Fernsehautor in der DDR. Seit 2010 ist er im öffentlichen Dienst im Großraum München tätig. Zur Frankfurter Buchmesse 2017 ist sein Buch "Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewusst!" im Zambon Verlag erschienen. Zur Realisierung des 471 Seiten umfassenden Solidaritätsbuches mit den unterdrückten Palästinensern fördert er die Produktion des Buches und verzichtet auf das Autorenhonorar. 

Der Autor vermittelt – wie es vor ihm auch andere getan haben, die Erkenntnis: Lässt du auch nur ein Wort der Kritik am Staat Israel verlauten, dann wirst du als Antisemit beschimpft, verklagt, in die Schattenseite der marktgetriebenen Gesellschaft gestellt, abgestempelt, die sogenannte Schuld „des deutschen Volkes“ am Holocaust nicht abarbeiten zu wollen.

Nein, er geht nicht mit dem Säbel gegen die Hydra vor, das macht man heutzutage mit kräftigen und aufklärerischen Worten und mit der erleuchtenden Fackel in der Faust, so zum Beispiel mit dem 471-seitigen Buch „Möge keiner sagen, er hätte es nicht gewusst!“ Er tritt damit u.a. an die Seite solcher gesellschaftskritischer Autoren wie Evelyn Hecht-Galinski, Petra Wild oder Uri Avnery, zu deren israelkritischen Büchern der Rezensent ebenfalls Texte geschrieben hat.

Die Struktur des Buches weist Besonderheiten auf. Die 59 Kapitel bilden keinen zusammenhängenden wissenschaftlichen Exkurs, auch keine reine intellektuelle Polemik, keinen Erlebnisbericht und auch nicht nur eine Aufzählung von Beispielen. . Es ist ein Mix aus Fakten, Kommentaren, persönlichen Eindrücken und Polemiken. Der Autor beginnt in der Regel mit einem Geschehnis aus der gesellschaftlichen Praxis – so u.a. UNO, Juden, BRD, Finanzpleite, Hamas, Palästina, Medien, palästinisches Mädchen, Morde und Massaker -, um nur wenige Beispiele zu nennen. Daran schließen sich Belege und Zitate von Politikern, Publizisten und Künstlern an sowie emotional starke Kommentare des Autors. In jedem Fall kommt er stets auf den kriegerischen israelischen Staat zurück, auf die Massaker gegenüber den Palästinensern und auf das Weggucken der Regierung der BRD und ihrer Medien. So ist man beim Lesen dazu angehalten, jeden Fakt politisch zu bewerten und eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist das Konkrete, aus dem Abstraktionen abzuleiten sind.

Die Tötungsmaschinerie

An Beispielen wird Israel und dessen Unterdrückungssystem sowie die Methoden der Angriffe gegenüber Palästina beleuchtet. Zur Erinnerung führt der Autor auf Seite 16 die Nakba des Jahres 1948 ins Feld, „...eine seit 1948 bestehende Katastrophe...“, legalisiert durch die „Resolution 181 der Vereinten Nationen...“ (S.16) „Mit der Nakba begann die Vertreibung der Palästinenser“ und die kontinuierlich-etappenweise Ausrottung des palästinensischen Volkes. Ein Massenmord, qualitativ mit dem deutschen Massenmord an Menschen aus ganz Europa zu vergleichen. (S.324) „Hunderte palästinensische Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht, Palästinenser ermordet, hingeschlachtet und vertrieben“. Israels Kultur? Mit Beton-Wohnanlagen, Stacheldraht, Betonmauern, Wachschutz, Siedlerterror? Eine am imperialistischen Reißbrett konstruierte Kultur. (S. 169) Wenn der Autor beispielsweise die Äußerung des Ministerpräsidenten Menachem Begin „Palästinenser sind Tiere auf zwei Beinen“ zitiert, dann sei die Ähnlichkeit zur NS-Ideologie frappant. Der Zionismus, als der Staatsideologie Israels, zeige sich in Maßlosigkeit, Egoismus, Dreistigkeit, Herrschsucht und rüdes Verhalten. (S. 30) Er habe sich von einer kleinen Minderheit um 1920 zu einem staatlichen Machtmonopol entwickelt. So zeige sich Israel, „allein auf Besitz, auf Modernität, materielle Anhäufung und seiner daraus resultierenden Überlegenheit“, verbunden mit dem darin liegenden Atheismus, „als Kern einer rassistischen und völkischen Gemeinschaft“. Die nicht dazugehören werden ausgegrenzt. Dies sei gleichzeitig „eine Form des Regierens des Finanzkapitals“. (S.32) Auf Seite 51 schlussfolgert der Autor: „Das terroristische Staatsgebilde Israel stellt eine Verletzung der jüdischen Religion dar, ist gegen die Vernunft und gegen internationales Recht.“ Dessen Bombardements und der Rassismus gegen die Palästinenser werden von der UNO hingenommen, und nicht nur von dieser. (S. 51)

Deutschlands Mitschuld

Daumen hoch besonders dafür, dass Fariss Wogatzki als HERAKLES des Ostens die Mitschuld der BRD und ihrer bürgerlichen Medien an den Verbrechen gegenüber den Palästinensern ins Visier nimmt. So werden die Waffenlieferungen an Israel als „immerwährende Verantwortung“ und „Unterstützung zur Selbstverteidigung“ umschrieben. (S. 53) Jude sei nach bundesdeutscher Ansicht derjenige, „der die Sache Israels“ verteidige. Dies werde „nicht nach religiöser Zugehörigkeit zum Judentum, sondern nach ideologischen Vorstellungen ausgemacht“. (S. 60)

Auf’s Korn nimmt der Autor die so genannte Staatsräson, die Leugnung der ethnischen Säuberung und der Kriegsverbrechen an den Palästinensern, dass Menschenrechtsaktivisten Antisemiten seien, dass Nazieliten nach 1945 staatlicherseits tabuisiert wurden. (S. 17) Sehr spitz und mit Recht greift er die Ausblendung von Tatsachen durch die Bundeskanzlerin an. Sie rede von einer historischen Verantwortung gegenüber der Shoa, ignoriert aber die größte Opfergruppe der Sowjetrussen sowie den deutsch-faschistischen Massenmord „an Menschen aus vielen Nationen und Ländern“. Ausgeblendet werden auch die Verbrechen Israels. (S. 204/205) Der deutsche Imperialismus, um sich selbst zu schützen, sagt nicht, die Massenmorde an Menschen aus vielen Ländern seien „im Namen der reaktionärsten Elite Deutschlands, der deutschen Wirtschaft, der deutschen Rüstungsindustrie, der deutschen Bankhäuser, der deutschen Regierung“ geschehen, sondern, so Merkel in der Knesset 2008, „im deutschen Namen“. (S. 153/154) Ohne Kommentar!

Wo der Knoten liegt

Wer den Knoten (gemeint sind die Ursachen jeglicher Realitäten, H.P.) nicht kennt, mahnte Aristoteles, kann ihn auch nicht lösen. Fariss Wogatzky kennt den Knoten und nennt ihn: Der „Faschismus als politische Strömung oder als offen terroristische Herrschaftsform ist gleichzeitig eine Form des Regierens des Finanzkapitals...“ (S. 32) Auf Seite 46 heißt es, dem Faschismus, dem Imperialismus seien alle Wurzeln zu ziehen. So ist also von Israel als demokratischer Faschismus, zionistischer Staatsterrorismus, auch als Frontstaat imperialistischer Interessen die Rede. Gleichfalls als faschistischer Staat. (S.46) Wörtlich heißt es auf Seite 203: „Der Imperialismus ist in seiner Gesamtheit ein zerstörerisches Hirngespinst gegaukelter Demokratie, der Idee, Menschen stünde im Imperialismus so gut wie alles offen. Dies bereitet doch mehr Furcht als Freude.“ Vier Seiten weiter: „Im Imperialismus, im kapitalistischen System gibt es keine, auch keine demokratische Verantwortung. Er beinhaltet keinen Realitätsbezug, weder für die Gegenwart, schon gar nicht für die Zukunft.“ Schlussfolgernd stellt der Autor fest, die Reden der Merkel seien hinlänglich Mittelmaß. Diesen und anderen Reden der Politiker gehen aus der fehlgeleiteten Gesinnung hervor: „Sie fokussieren eine generelle Problematik auf ausgewählte Punkte und eliminieren ganzheitliche Gesellschaftsproblematiken“. Kurz: Sie gehen nicht auf die Ursache von Gewalt in der Gesellschaft ein. (S. 210/211) Lesenswert zu den Ursachen zum Schaden der Gesellschaften sind auch die Argumente des Autors auf Seite 399 zum Thema Globalisierung.

Den Eliten Paroli bieten

Es ist nach Ansicht des Rezensenten die schwierigste Frage, die im Raum steht: Wer und was kann etwas tun, um der Mitschuld am Verbrechen gegenüber dem palästinensischen Volk, mehr noch, der Übermacht der vielköpfigen Hydra in Form des weltweit agierenden Imperialismus Einhalt zu gebieten, das Ende der israelischen Besatzung über die Westbank mit Ost-Jerusalem und dem Gazastreifen? Es reiche zum Beispiel nicht, so der Autor auf Seite 125, „dass die Bundesregierung und die Europäische Union nur bezahlen. An die Millionen müssen politische Forderungen und Garantien an Israel gekoppelt werden“. Das Wort richtet der Autor vor allem an vernunftorientierte Menschen mit Verstand, alles zu unternehmen, dass „Merklismus und Imperialismus endlich aus Deutschland heraus getragen werden“. (S. 294) In einem Aufruf auf Seite 386 lesen wir: Für das Ende der Apartheid und des Völkermordes, gemeinsam mit den Palästinensern und allen friedliebenden Menschen auf der ganzen Welt. Gegen Ausbeutung, gegen Vertreibung, gegen Krieg, gegen Wirtschaftsfaschismus, Bankokratie, Blendokratie, Scheindemokratie. Jeder kann helfen.

Schließlich ergänzt Evelyn Hecht-Galinski im Klappentext: Gerade auch jüdische Bürger, ebenso wie nicht-jüdische Bürger sollten dieses Buch unvoreingenommen lesen, denn Fariss Wogatzki arbeitet nur mit Tatsachen und belegt alle genannten Fakten“.

Sie, eine Deutsche mit jüdischer Herkunft. Sie, die Tochter des einstigen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski (1912-1992). Ihr Motiv: „Ich habe mir das Lebensmotiv meines Vaters zu eigen gemacht: ´Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen.´“

Mit 471 Seiten kommt da auf den politisch wachen Leser etwas zu, was den Herrschenden wie ein Donnerkeil als angeblich ideologisch gefärbtem Rassenhass entgegengeschleudert wird, den Vernunftbegabten allerdings als erhellende politische Aufklärung in Bezug auf das „andauernde Leid der Palästinenser“, erzeugt durch einen triefenden neuen Antisemitismus in Deutschland, „der Philosemitismus, der sich wie eine politische Epidemie verbreitet hat“. (S. 9) Die „Fackel“ des HERAKLES möge den Weg erleuchten, und nicht nur den...





Fariss Wogatzki
Möge keiner sagen er hätte es nicht gewusst!
Mit einem Vorwort von Evelyn Hecht-Galinski

Zambon Verlag, Frankfurt 2017
472 Seiten, 19,90 Euro

Online-Flyer Nr. 637  vom 15.11.2017


(Erstveröffentlichung dieses Buchtipps in der NRhZ)

EU auf Kriegskurs


Militarisierung der EU


Kooperationsvereinbarung »Pesco«


Von Jörg Kronauer

Am Montag haben sie 23 der 28 EU-Staaten unterzeichnet: Die Notifizierungsurkunde für »Pesco«, die »Ständige Strukturierte Zusammenarbeit« (»Permanent Structured Cooperation«) der EU. »Pesco« – das klingt neutral, ganz so, wie wenn es um Alltägliches ginge, um Dinge wie IBAN, Gema oder BAföG. Tatsächlich aber geht es, wie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gestern betonte, um die faktische Gründung der europäischen Sicherheits- und Verteidigungsunion. Auch das ist bekanntlich nur verdummende PR, denn wer Verteidigung sagt, meint Krieg, und der Krieg steigert erfahrungsgemäß nicht die Sicherheit, sondern die Unsicherheit. Und die Zahl der Leichen. »Pesco« reiht sich da ein: Unter diesem Kürzel werden künftig die Kriege der EU – der in Feiertagsreden vielgepriesenen Friedensnobelpreisträgerin – vorbereitet.

Man sollte nicht verschweigen, dass das Militarisierungsprogramm namens »Pesco« aus dem Eingeständnis einer Niederlage erwachsen ist. Eine umfassende EU-Armee wollte vor allem die Bundesrepublik stets gründen, um weltweit mit mehr Schlagkraft interventionsfähig zu sein, als es die Bundeswehr alleine vermag. Das Vorhaben ist nicht durchsetzbar gewesen. Zur Gründung der »EU-Battlegroups« hat es immerhin gereicht, doch diese sind aufgrund der ständigen Differenzen in der Union noch nie zum Einsatz gekommen. Nun soll der Versuch, eine EU-Streitmacht »von unten« aufzubauen, das Dilemma lösen: Hier ein gemeinsames medizinisches Einsatzkommando, dort ein Logistikdrehkreuz oder eine Offiziersschule – und alles klingt nicht viel spektakulärer als das nichtssagende »Pesco«. Nur: Setzt man die Elemente einmal zusammen – und das könnte in wenigen Jahren geschehen –, dann ist man an einer schlagkräftigen EU-Armee sehr nah dran. Die Beteiligung an »Pe sco« verpflichtet 23 EU-Staaten denn auch nicht nur dazu, ihre Militäretats zu erhöhen. Sie legt sie auch auf »substantielle« Beiträge zu künftigen EU-Interventionen fest.

Dabei ist »Pesco« flexibel. Man kann diejenigen Staaten, die – wie etwa Polen – enge Bindungen zu den USA anstreben, beruhigen, denn ein medizinisches Einsatzkommando lässt sich natürlich auch in NATO-Einsätze schicken. Man kann es ebenso der UNO für »Blauhelmmissionen« zur Verfügung stellen, was offiziell noch neutralen EU-Mitgliedern wie Österreich, Finnland oder Schweden die Beteiligung ein wenig erleichtern mag. Gleichzeitig aber macht die EU-Kommission aus ihrem eigentlichen Ziel keinen Hehl: Es geht ihr, so hat sie mit Blick auf »Pesco« ausdrücklich bestätigt, um »strategische Autonomie«, also darum, bei Bedarf eben auch ohne die USA und die NATO militärisch eingreifen zu können – als Weltmacht eben. Mit Trump hat das übrigens gar nichts zu tun: Ihren Anlauf zur engeren Militärkooperation »von unten« hat die EU bereits im Sommer 2016 gestartet, als noch niemand ernsthaft mit dem Sieg des jetzigen US-Präsidenten rechnete. Treibende Kraft war damals Deutschland. Dessen weltpolitisches Aufwärtsstreben aber hängt nicht davon ab, wer gerade das Weiße Haus bewohnt.



Samstag, 11. November 2017

Mitautoren zu "EISZEIT-BLÜTEN"

Was Mitautoren zu ihrem Buch „EISZEIT-BLÜTEN“ sagen


ALEX

Hallo Harry, das Beste zuerst:Vorhin kam unser Buch. Renate hat es gleich abserviert. Die große Schrift gefällt. Und sie ist gespannt auf den Inhalt. Damit ist sie nach unserer jüngsten Enkelin die zweite Interessierte. Nach Renates Lesen erwarte ich ihre Kritik Und dann bekommt meine Enkelin ein Exemplar. Weil sie wirklich Interesse an unsren Leben zeigt. Auch ihr Vater hat Interesse signalisiert.



Ich habe in unserem Buch heute mal von hinten her gelesen und mit dem EPILOG begonnen. Was vorher im Buch zu finden ist, das weiß ich ja. Also ich muss schon sagen, Dein Epilog bestätigt mir nochmal, dass wir gut daran taten und tun, ALLES aufzuzeichnen. Es befreit vom unguten und das Gewissen belastenden Gefühl, das durch Schweigen entsteht. Nichts darf vergessen werden. Auch eigenes Versagen nicht. Wenn es auch keine absolute Wahrheit gibt und ALLES im Zusammenhang von Zeit und Raum zu sehen ist, Verschweigen dürfen wir nichts.

Hanna

Gestern, endlich!, kam das Buch. Ich habe mich gleich draufgestürzt. Was ich von und zu Alex gelesen habe, überzeugt mich. In jeder Zeile! Ich bin gerade bei den Eiszeitblüten, bei den Zitaten. Was ich bisher gelesen habe, ist im großen und ganzen auch meine Sicht. Es war eine Riesenarbeit, dieses Buch herauszubringen, Harry, wir und die noch kommen haben Dir viel zu danken. Ich weiß, was an einem Buch dranhängt, und erst recht an so einer Sammlung! Du hast versucht, es zu vermeiden, aber ein bisschen Sehnsucht ins Gestern kann ich zwischen den Zeilen dennoch lesen. Aber das ist verständlich angesichts heutiger Verhältnisse.

Das Buch enthält in jeder Zeile ein Lebensgefühl, das uns genommen wurde, an das immer wieder erinnert werden muss, damit es nicht verlorengeht und die nach uns kommen es aufgreifen können. Es ist ein Vermächtnis.


Judith

Heute Abend begann ich in Deinem (unserem) Buch zu lesen und schon beginnend habe ich viele Gedanken dazu. Es beginnt mit Glück und   Liebe als ein wichtiges Fundament, um das Leben zu meistern und geht dann über in uns bewegende Probleme. Das hat sich aus bestimmten Gründen für mich nicht so ganz erfüllt. Sicher wird Dir aufgefallen sein, dass ich über Kriegserlebnisse und persönliches Glück nichts geschrieben habe. Auch ich habe den Krieg mit aller Härte erfahren müssen... Noch heute holen mich viele Ereignisse immer wieder ein...

Einige Erlebnisse hatte ich auch diese Woche: Besuch eines Theaterstückes im BE von Camus, ein ganz aktuelles philosophisches und politisches Thema, es war ausverkauft, die meisten Besucher junge Leute, die nach Antworten suchen und sie nicht bekommen. Es wir ja generell nur kommentiert, nicht warum und nicht, welche Alternativen es geben könnte.
Gestern im Museum  Barberini "Hinter der Maske" - Künstler in der DDR. Ich hätte es mir wirklich ersparen können. Man kann es nicht lassen uns zu verunglimpfen und  eine volksnahe und sozialistische Kultur madig zu machen. Ich könnte es ja noch ertragen, aber der Jugend, der auf allen Ebenen  die angeblich kommunistische Diktatur teilweise noch im Zusammenhang mit der Nazidiktatur ständig eingehämmert wird, muss ja schließlich daran glauben. Anschließend im Landtag zu einer Führung. Eine Abgeordnete führte uns durch das Haus. Meine Frage, wie sie die Sicherheit in Brandenburg beurteile und welche Perspektiven und Lösungen es gäbe, wollte sie nicht klar beantworten Sie muss ja optimistisch sein, sonst kann sie diesen Job ja nicht machen.

DDR Bauten werden trotz Proteste der Potsdamer Bürger abgerissen und man ist stolz, dass  Potsdam wieder wie zu Friedrichs Zeiten wird und die Garnisonskirche wieder aufgebaut wird und wo die Kriege für Gott und Vaterland abgesegnet wurden.

Heute hatte ich 2 Freikarten Für ein Baskettballspiel in der Mercedes Benz Arena. Da  war ein Höllenlärm, die verteilten Pappen wie Fächer  klatschten sich die Leute auf die Schenkel, ständiges Trommeln, ohrenbetäubende Musik und in den kurzen Pausen für die Spieler die tanzenden Mädchen mit den goldenen und silbernen Puscheln, dazu ständige Werbung für Autos als Klimakiller. 13.800 Besucher waren da, bestimmt nicht alles Sportinteressierte, aber Party und Spaß, Brot und Spiele. Die Sicherheitsbestimmungen - so noch nicht erlebt. Taschengröße wie ein A 4 Bogen, bei der 2. Kontrolle moniert, 2 cm zu breit, dann zurück zur Abgabestelle für 2,- EU Riesenschlange weil nur 1 Person zur Annahme. Wieder zum Eingang Taschenkontrolle, dann durch den Sicherheitsbogen und Körpervisite. Kontrollpersonen nur junge Flüchtlinge, da machte ich mir so meine Gedanken, wie selbstbewußt und bestimmend sie aufgetreten sind und was das brutale System uns eingehandelt hat und wie wird es weitergehen ?  Der ökologische Wahnsinn tut sein übriges. Ich war völlig überrascht, wieviel neue Häuser entstanden sind. Der Bauboom läuft, das ist wichtig, dass die Profite fließen, völlig unwichtig Fluchtursachen auch für die Zukunft zu beseitigen.


LOTTI

Sie verfasste dankenswerterweise unter dem Titel „BLÜTENLESE“ die Rezension zu unserem Buch, veröffentlicht nicht nur in der Neuen Rheinischen Zeitung.





Harry Popow: „EISZEIT-BLÜTEN. ROTE-NELKEN-GRÜßE AUS BLÜHENDEN LANDSCHAFTEN“, Taschenbuch: 508 Seiten, Verlag: Independently published, Brokatbook Verlag, (17. September 2017), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 1549766864, ISBN-13: 978-1549766862, Größe und/oder Gewicht: 14 x 3,2 x 21,6 cm, Preis: 12,50 Eurohttps://www.amazon.de/EISZEIT-BL%C3%9CTEN-ROTE-NELKEN-GR%C3%9C%C3%9FE-AUS-BL%C3%9CHENDEN-LANDSCHAFTEN/dp/1549766864/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1508245074&sr=1-1&keywords=EISZEIT-BL%C3%9CTEN

NATO - Verschärfte Kriegsvorbereitung


Nato-Gipfel verschärft Kriegsvorbereitungen gegen Russland


VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 11. NOVEMBER 2017

von Alex Lantier – ww.wsws.org



Am Mittwoch und Donnerstag trafen sich die Verteidigungsminister der Nato-Staaten in Brüssel, um über Pläne für eine umfangreiche militärische Eskalation in Europa zu diskutieren. Während die Trump-Regierung mit ihren Drohungen eines Atomangriffs gegen Nordkorea den Konflikt mit Russland und China im Pazifik schürt, plant die Nato eine umfassende Aufrüstung ihrer Militäranlagen in Europa für einen Krieg gegen Russland sowie eine erneute Intervention in Afghanistan.

Die Nato plant den Aufbau von zwei großen militärischen Kommandozentren in Europa. Eines davon, das sich vermutlich in Frankreich oder Portugal befinden soll, würde große Marineoperationen wie den Transport von US-Truppen nach Europa oder die Zerstörung russischer Kriegsschiffe im Atlantik koordinieren. Das zweite soll vermutlich in Deutschland oder Polen aufgebaut werden und würde den Bodentransport von Nato-Truppen durch Europa für einen Angriff auf Russland koordinieren. Es soll unter anderem sicherstellen, dass die schnelle Verlegung von Nato-Stoßtruppen nach Osten nicht durch innere Grenzen in Europa verlangsamt wird.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel schrieb vor dem Gipfel in einem Artikel über diese Nato-Pläne ganz offen: „Im Klartext: Die Nato bereitet sich auf einen möglichen Krieg mit Russland vor.“

Auf der Pressekonferenz in Brüssel versuchte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Russland die Schuld für diese Situation zu geben: „Am Ende des Kalten Krieges haben wir die Kommandostruktur reduziert, weil sich die Spannungen verringert haben.“ Aber mittlerweile habe Russland „bereits seit vielen Jahren stark in seine militärischen Fähigkeiten investiert und seine militärischen Fähigkeiten modernisiert, die nicht nur konventionelle, sondern auch nukleare Streitkräfte umfassen. Außerdem hat es seine Bereitschaft gezeigt, mit militärischen Mitteln gegen einen Nachbarstaat wie die Ukraine vorzugehen. Und natürlich muss die Nato in der Lage sein, darauf zu reagieren.“

Die Behauptung, die Nato-Aufrüstung sei eine Reaktion auf Russlands Aggression, ist eine politische Lüge. Russland führt seine Militärübungen auf seinem eigenen Boden durch. Die Nato hingegen, die seit über zwei Jahrzehnten Krieg im Nahen Osten führt und 2014 einen Putsch gegen die pro-russische Regierung in der Ukraine organisierte, schickt jetzt ihre Truppen an die russische Grenze. Trumps Drohungen am Jahrestag des US-Atomangriffs auf Nagasaki, Nordkorea „mit Feuer und Wut, wie die Welt sie noch nie erlebt hat“, auszulöschen, zeigt den Wahnsinn dieser aggressiven Politik der imperialistischen Nato-Mächte.

Bei dem Gipfeltreffen in Brüssel machten die Vertreter der Nato deutlich, dass sie einen großen Landkrieg in Europa planen, der sich gegen Russland richtet, die zweitgrößte Atommacht der Welt. Der litauische Verteidigungsminister Raimondas Karoblis erklärte, der Aufbau der neuen Basen sei von entscheidender Bedeutung, da Verzögerungen beim Transport von Truppen und Waffen durch Europa im Falle eines Kampfs gegen das russische Militär „mehr Todesopfer, zusätzliche Risiken und Verluste“ bedeuten würden. Weiter erklärte er: „Zeit ist dabei ein wichtiger Faktor.“

Die Washington Post erklärte zu Karoblis’ Äußerungen: „Die Geschwindigkeit, mit der die Nato auf eine russische Aggression reagieren kann, könnte entscheidend dabei sein, ob man die Nato-Grenzen verteidigen oder bereits verlorene Gebiete unter viel größeren Anstrengungen zurückerobern muss.“

Solche Diskussionen über die Kriegspläne der Nato verheimlichen gegenüber der Öffentlichkeit, dass die Nato einen Krieg plant, der sich schnell zu einem verheerenden nuklearen Schlagabtausch zwischen der Nato und Russland entwickeln könnte. Die Folge wären hunderte Millionen oder sogar Milliarden Tote.

Regierungsvertreter und außenpolitische Experten erkennen diese Tatsache allgemein an. Mike Kofman von der US-Denkfabrik Center for Naval Analyses schrieb: „Das Problem mit der Fixierung auf konventionelle Abschreckung im Baltikum ist, dass es im Gegensatz zur früheren Konfrontation zwischen der Nato und dem Warschauer Pakt zahlreiche Möglichkeiten einer nuklearen Eskalation gibt. Die meisten russischen Experten, die ich unter den Militäranalysten kenne, auch diejenigen in Russland, halten es für äußerst unwahrscheinlich, dass ein konventioneller Kampf mit der Nato konventionell bleibt.“

Die US-amerikanische Fachzeitschrift National Interest ging auf ihrer Website auf die Gefahr eines Kriegs zwischen der Nato und Russland im Baltikum ein: „Ein solcher Krieg würde so gut wie sicher in einen offenen Atomkrieg zwischen den beiden atomaren Supermächten der Welt eskalieren. Das bedeutet, es gäbe nur Verlierer.“

Dennoch wurde auf dem Gipfel in Brüssel aggressiv für eine Nato-Aufrüstung in den baltischen Staaten und Skandinavien gegen Russland geworben. Finnland und elf andere Staaten planen im Rahmen eines Programms den Kauf von großen Mengen amerikanischer Luft-Boden-Präzisionswaffen. Zuvor hatte Schweden im September seine größte Militärübung seit 23 Jahren abgehalten, an der 19.000 schwedische Soldaten mit französischen, dänischen, finnischen, norwegischen, estnischen und litauischen Truppen teilnahmen. Im März hatte Schweden bereits die Wehrpflicht wiedereingeführt – laut Vertretern des Verteidigungsministeriums als Vorbereitung auf einen Krieg mit Russland.

Auf dem Nato-Gipfel wurden auch allgemein Kriegspläne für die ganze Welt diskutiert. Die EU-Mächte verpflichteten sich, die USA bei der Besetzung von Afghanistan mit weiteren 3.000 Soldaten zu unterstützen. Angesichts eskalierender Spannungen zwischen der Türkei und seinen Hauptverbündeten in der Nato, den USA und Deutschland, hat sich die Türkei Berichten zufolge mit Frankreich, Italien und Spanien auf eine Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Raketensystemen für die Türkei geeinigt.

Die objektiven Wurzeln des Kriegskurses liegen in der Politik der Nato-Mächte, allen voran der USA, die seit der Auflösung der Sowjetunion durch die stalinistische Bürokratie 1991 vorangetrieben wurde. Washington hat, mit Unterstützung verschiedener europäischer Mächte, im Irak, in Jugoslawien, Afghanistan, Libyen, Syrien und vielen anderen Ländern Krieg geführt. Washingtons Ziel war es, seine militärische Stärke zu nutzen, um seine internationale Hegemonialstellung als mächtigster Nato-Staat zu festigen und die eurasische Landmasse zu dominieren. Allerdings entwickelten sich diese Kriege zu schrecklichen, blutigen und kostspieligen Katastrophen, die insgesamt Millionen Todesopfer forderten.

Während Washington mit einem großen Krieg in Ostasien droht, der die wachsende Herausforderung des US-Imperialismus durch China abwehren soll, nehmen auch innerhalb der Nato die Konflikte zu. Vor allem in den letzten drei bis vier Jahren haben sich die Spannungen zwischen den Nato-Großmächten verschärft. 2014 begann Deutschland mit der Remilitarisierung ihrer Außenpolitik, 2016 gewann Donald Trump die Wahlen in den USA und in demselben Jahr votierte Großbritannien in einem Referendum für den Austritt aus der Europäischen Union (EU), womit Amerikas engster militärischer Verbündeter in Europa die EU verlässt.

Kurz nach Trumps Wahlsieg traten diese Spannungen offen zutage, als der neue Präsident mit der Einführung von Zöllen drohte, um deutsche Autoexporte in die USA einzuschränken.

In einem Planungsdokument mit dem Titel „Strategische Vorausschau 2040“, das dem Spiegel vorliegt, prognostizierte die Bundeswehr einen möglichen „Zerfall der EU“ und den Ausbruch von Kriegen in Europa. Nach „Dekaden der Instabilität“ könnte folgende Situation entstehen: „Die EU-Erweiterung ist weitgehend aufgegeben, weitere Staaten haben die Gemeinschaft verlassen. Europa hat seine globale Wettbewerbsfähigkeit verloren. Die zunehmend ungeordnete, zum Teil chaotische und konfliktträchtige Welt hat das sicherheitspolitische Umfeld Deutschlands und Europas dramatisch verändert.“

Unter diesen Bedingungen bekräftigten Nato-Vertreter ihre Pläne für eine engere Zusammenarbeit mit der EU, während gleichzeitig EU-Staaten unter Führung von Deutschland und Frankreich ihre Pläne für ein gemeinsames Militärbündnis vorstellten. Am 13. November soll in Brüssel die Vereinbarung über die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit (SSZ) unterzeichnet werden. Berichten zufolge sieht diese vor, Ressourcen für die Schaffung gemeinsamer EU-Waffensysteme und einer militärischen Kommandostruktur der EU zusammenzulegen und gemeinsame Operationen von EU-Truppen unterschiedlicher Nationalitäten zu unterstützen. Allerdings würde dieser Pakt nicht nur die USA ausschließen, sondern auch Großbritannien, das aus der EU austritt.

Die Vertreter der Nato sind sich bewusst, dass es in der europäischen Bevölkerung einen breiten Widerstand gegen einen Krieg mit Russland gibt. Deshalb schlugen sie vor, die EU könne dabei helfen, die breiteren Anstrengungen zur Propagierung des Kriegskurses zu koordinieren. Die Nato wird intensive Gespräche mit Regierungen, Banken und den Polizei- und Geheimdienstbehörden in ganz Europa führen. Ihre Aufgabe wird es sein, der europäischen Bevölkerung die Kriegspläne aufzuzwingen.

Stoltenberg erklärte: „Natürlich ist militärische Mobilität nicht nur eine Aufgabe des Militärs. Dafür braucht es die ganze Regierung. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Verteidigungsminister unseren Innen-, Finanz- und Verkehrsministern die Erfordernisse des Militärs begreifbar machen.“

Die größte Gefahr in der gegenwärtigen Situation besteht darin, dass sich die Arbeiterklasse in Europa und weltweit nicht darüber bewusst ist, wie real die Möglichkeit eines katastrophalen globalen Krieges wirklich ist und wie verheerend die Verluste in einem solchen Konflikt wären. Deshalb betont die WSWS, dass es dringend notwendig ist, eine internationale Antikriegsbewegung aufzubauen, die sich auf die Arbeiterklasse und eine sozialistische und antiimperialistische Perspektive stützt. Wir rufen alle Leser auf, die WSWS aktiv bei der Verbreitung ihrer Perspektive zu unterstützen.

http://www.wsws.org/de/articles/2017/11/11/nato-n11.html 



Freitag, 10. November 2017

14. Dezember: Kölner Karlspreis

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24255  


Berlin, 14.12.2017: Kölner Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik der Neuen Rheinischen Zeitung an Ken Jebsen

KenFM – ein "Organ der Demokratie"


Von Redaktion und Herausgebern der NRhZ


Darf mensch in einer Demokratie Fragen stellen, Argumente austauschen, gegensätzliche Positionen vertreten? Ja, aber nur zwölf Minuten lang. Das empfiehlt der Bundespräsident der Jugend bei „Jugend debattiert“. Darf ein Journalist Fragen stellen, Argumente durchleuchten, Positionen verschiedener Interessengruppen gegenüberstellen. Ja, aber nicht alle Fragen, nicht in öffentlichen Fernseh- und Rundfunkanstalten und nur mit genehmen Diskutanten. Warum die Macht der Macher unter Kontrolle gehalten werden muss, belegen einfache Beispiele der Kriegsrhetorik, die der Preisträger des Kölner Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik, Ken Jebsen, ständig in seinem unabhängigen Medienkanal KenFM zur Debatte stellt: „So sind illegale NATO-Angriffskriege heute 'friedenssichernde Maßnahmen', bezahlte Killer werden uns als 'moderate Rebellen' verkauft und ein US-Präsident, der während seiner gesamten Amtszeit Krieg geführt hat, darf auf dem Kirchentag in Berlin über seine humanistische Grundhaltung faseln und bekommt Applaus von Christen, die glauben kritisch zu sein.“ (Ken Jebsen)

Ken Jebsen (Foto: arbeiterfotografie.com)
KenFM entlarvt – für Vertreter der Machtelite völlig unerträglich – Widersprüche und stellt die Grundlage in Frage, warum die „westliche Wertegemeinschaft“ seit nunmehr 16 Jahren einen letztlich unbegründeten, verheerenden „Krieg gegen den Terror“ führt. Ken Jebsen, der ehemalige erfolgreiche ARD-Moderator und heutige Betreiber des crowdfinanzierten Medienportals KenFM fordert eine Ost- und eine Westerweiterung der Friedensbewegung.
Für seinen aufklärerischen, unabhängigen, facettenreichen, urdemokratischen (Art. 5 GG) Journalismus erhält der vom Radiomann zum Fernsehmacher mutierte mutige Macher und Medienunternehmer Ken Jebsen den fünften „Kölner Karlspreis für Engagierte Literatur und Publizistik“ der Neuen Rheinischen Zeitung, deren historisches, von 1848 bis 1849 von Karl Marx herausgegebenes Vorbild sich als „Organ der Demokratie“ betitelte.
Die Preisträgerin und Preisträger der Vorjahre der vom Journalisten und Filmemacher Peter Kleinert (1937-2016) gegründeten Neuen Rheinischen Zeitung sind: Werner Rügemer (2008), Wolfgang Bittner (2010), Rolf Gössner (2012), Evelyn Hecht-Galinski (2014).
Festveranstaltung am 14. Dezember 2017 in Berlin
Babylon, Rosa-Luxemburg-Straße 30,
10178 Berlin (nahe Alex, gegenüber Volksbühne)
www.babylonberlin.de
Donnerstag, 14. Dezember 2017, 18 Uhr / Einlass 17:30 Uhr
Eintritt: 12 Euro,
Vorverkauf:
babylonberlin.de/ticketonline.htm
(dort zum Datum 14.12. scrollen)

Laudatio:

Mathias Bröckers (Enthüllungsautor mit satirischem Potential)

Redebeiträge:
Evelyn Hecht-Galinski (Kölner Karlspreisträgerin 2014)
Dirk Pohlmann (Teammitglied von KenFM-International)
Klaus Hartmann (Deutscher Freidenker-Verband)
Anneliese Fikentscher: 90 Jahre Arbeiterfotografie

Kulturprogramm:

Prinz Chaos II.
DIE BANDBREITE (Polit-Hip-Hop-Band)
General von Plattnitz
Gilad Atzmon (britischer Jazz-Musiker, Autor und Palästina-Aktivist)

Moderation:

Anneliese Fikentscher (NRhZ)
Ullrich Mies (Herausgeber „Fassadendemokratie“) 
Mitveranstalter ist der Bundesverband Arbeiterfotografie, der wie sein Vorläufer, die vor 90 Jahren gegründete Vereinigung der Arbeiterfotografen Deutschlands, im Sinne ihres Wegbereiters Willi Münzenberg die Praxis pflegt, die Öffentlichkeit gegen die Interessen der Machtapparate des Kapitals zu informieren.
Unterstützer: Euregioprojekt Frieden, Deutscher Freidenker-Verband, Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg, Landesverbände Berlin und Nordrhein-Westfalen im Deutschen Freidenker-Verband, DDR-Kabinett Bochum, Daniele Ganser (Swiss Institute for Peace and Energy Research SIPER), Claudia von Werlhof (Forschungsinstitut für Patriarchatskritik und alternative Zivilisationen FIPAZ), Willy Wimmer (Staatssekretär im Verteidigungsministerium unter Helmut Kohl), Weltnetz TV, free21.org, Rubikon – Magazin für die kritische Masse, Muslim Markt, KAOS Kunst- und Videoarchiv, Quartalsschrift DAS KROKODIL...